Rede zur Ausstellungseröffnung von Dr. Antonia Kienberger: ZweigeGewirr“ von Wolfram Schmidt in der Galerie Carola Insinger in Distelhausen

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Freunde und Kenner von Wolfram Schmidts Kunst,

ich begrüße Sie herzlich zu dieser sonntäglichen Matinee und Ausstellungseröffnung „Zweigegewirr“.

Der Ort könnte schöner und passender nicht sein. Ich freue mich, dass ich dieser wundervollen Hängung ein paar einführende Worte beifügen darf.

Seit über 40 Jahren erkundet Wolfram Schmidt in seinem Medium der Fotografie die ästhetische und symbolische Dimension dessen, worauf er in verschiedenen Werkgruppen sein Augenmerk lenkt.

Und: Wolfram Schmidt ist ein hervorragender Fotograf. Präzise. Auf höchstem technischem Niveau. Und mit einem scharfen Auge. Für das große Ganze und für das Detail. Und bei allem, was er tut ein Perfektionist. Ihm liegt daran, das letzte Quäntchen herauskitzeln.

Doch würden Wolfram Schmidts Fotografische Arbeiten nicht ihren Charme entfalten, läge nicht der Zauber der Poesie in seinen Werken.

Poesie und Fantasie – dieses Begriffspaar verbindet sich in meinem Empfinden immer enger mit Wolfram Schmidts Werk, je länger ich ihn und sein Werk kenne und je tiefer ich darin eintauche.

Denn das Eintauchen in seine Bilder ist leicht. Sei es durch die harmonische Farbgestaltung, sei es durch die feine Linienführung, Wolfram Schmidt versteht es eine subtile Lebendigkeit in seinen Fotografien herzustellen.

Wolfram Schmidt nimmt den Betrachter mit auf eine Reise, die ich als Schule des Sehens bezeichnen würde. Oft heißt es ja, man sieht nur, was man weiß. Wolfram Schmidts Kunst ist der beste Beweis, dass es auch ganz anders kommen und sein kann.

Wolfram Schmidt mag es bei seinen künstlerischen Fotografien, wenn sich der Betrachter - und auch er selbst - nicht sicher sein kann, was er sieht. Er sagt: "Wenn wir nicht wissen, warum der Fotograf ein Foto gemacht hat, und wenn wir nicht wissen, warum wir es betrachten, entdecken wir plötzlich etwas, das wir zu sehen beginnen."

Ja, zu sehen beginnen.

Wolfram Schmidts Arbeiten bieten uns die Chance uns freizumachen von unseren kognitiven Mustern und uns auf sinnliche Reize einzulassen und ihnen ihr Eigenleben zu lassen. Daraus wird leicht ein“ ich sehe was, was ich vorher noch nicht gesehen habe“ – Spiel.

Ich – und viele andere Menschen auch – habe Freude daran, weil Wolfram Schmidts Fotografien „aufzumachen“ verstehen. Sie liefern nichts Fertiges. Sie zeigen Ausschnitte, sie vergrößern, sie dekontextualisieren, sie machen neue Zusammenhänge möglich.

Wir Menschen streben nach Struktur und Mustererkennungen. Chaos ist für uns schwer zu ertragen. Wir sind dann leicht verwirrt. Wenn ein Gefüge seine Festigkeit verliert, reagieren wir oftmals mit Unsicherheit oder Angst.

In Wolfram Schmidts Fotografien liegt eine Einladung, uns auf ein vermeintliches Chaos einzulassen, unsere Fähigkeiten der Synthese zu erproben und einfach wieder uns und unseren Sinnen zu vertrauen und Uneindeutigkeiten zuzulassen – und das mit Freude.

Die Natur ist uns dabei ein wertvoller Lehrmeister. Zaubert sie doch die schönsten Muster, Strukturen, Verästelungen, Gebilde, die unser Fassungsvermögen übersteigen. Seien es Wurzelgeflechte, Sternenbilder, Wolkengebilde, Blütenstrukturen.

Wolfram Schmidt bildet nicht ab. Er schafft eine höhere Abstraktionsebene. Extrapoliert mittels seiner Farbwahl. Er bearbeitet die Bilder grafisch. Gruppiert. Schönheit und Poesie liegen in den Werken, die Sie hier sehen. Und auch der Mut, der Fantasie freien Lauf zu lassen. Wolfram Schmidts Fotografien transformieren das Abbild der Wirklichkeit zu einer assoziativen Neuschöpfung einer weiteren Wirklichkeit.

In diesem Sinne ist Wolfram Schmidts Fotokunst ein großartiges Geschenk!

Lassen Sie sich einladen zum lustvollen Betrachten,
zum suchenden Spielen mit den eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten
zum spielenden Suchen nach neuen Seherfahrungen.

Dr. Antonia Kienberger
Distelhausen 4.10.2026

Rundgang durch Ausstellung ZweigeGewirr in Galerie Carola Insinger in Distelhausen

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